„Wir hinken stets hinterher“ – Siemens-Chef warnt Brüssel vor KI-Überregulierung

Veröffentlicht am 29.08.2026

„Wir hinken stets hinterher“ – Siemens-Chef warnt Brüssel vor KI-Überregulierung

Siemens-Chef Roland Busch schlägt Alarm: Die Europäische Union gefährde mit übermäßiger Bürokratie und langsamen Gesetzgebungsverfahren die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents im Bereich Künstlicher Intelligenz. Während sich KI-Modelle alle paar Monate sprunghaft weiterentwickelten, benötige Brüssel oft Jahre für die Verabschiedung von Regelwerken wie dem „AI Act“ oder „Data Act“. Busch fordert ein höheres Tempo bei der Zulassung neuer Technologien und warnt davor, dass Europa im globalen Wettbewerb endgültig abgehängt werde. Zugleich spricht sich der Konzernchef gegen pauschale Zölle gegen China aus und attestiert dem Land eine beachtliche Innovationskraft.

Siemens-Konzernchef Roland Busch sieht die Künstliche Intelligenz als die größte Technologiewette der Geschichte – und fordert von der Europäischen Union deutlich mehr Geschwindigkeit bei der Regulierung. Zu viele Vorschriften und zu lange Verfahren könnten Europa endgültig ins Hintertreffen bringen, warnt der Manager.

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ kritisierte Busch scharf den Regelungseifer aus Brüssel. „Wir dürfen das Entwicklungstempo der KI-Technologie nicht durch Regulierung bremsen“, wird der Siemens-CEO zitiert. Sein Hauptargument: Die Gesetzgebung könne mit der rasanten Entwicklung der Technologie schlicht nicht Schritt halten. „Man denke nur daran, wie lange es dauert, bis ein ‚AI Act‘ oder ‚Data Act‘ verabschiedet wird – vielleicht zwei Jahre. In dieser Zeit können sich KI-Modelle bereits sechs- oder achtmal weiterentwickelt haben“. Bis eine Verordnung tatsächlich in Kraft trete, habe sich die entsprechende Technologie oft schon in eine völlig andere Richtung bewegt. Buschs Fazit fällt entsprechend ernüchternd aus: „Wir hinken stets hinterher“.

Europa droht den Anschluss zu verlieren

Die Warnung des Siemens-Chefs kommt nicht von ungefähr. Während die USA und China mit riesigen Investitionen und einer vergleichsweise lockeren Regulierung eine KI-Offensive nach der anderen starten, droht Europa durch bürokratische Hürden abgehängt zu werden. Busch befürchtet, dass übermäßige Regulierung und Sicherheitsbedenken den Kontinent im internationalen Wettbewerb weiter zurückwerfen könnten. Der Siemens-Konzernchef plädiert daher für eine schnellere und pragmatischere Zulassung neuer KI-Technologien – andernfalls werde Europa seine ohnehin schon geschwächte Position im Technologierennen endgültig einbüßen.

Klare Worte zur Handelspolitik: China als starker Wettbewerber

Auch in der Handelspolitik bezog Busch klar Stellung. Gegen umfassende Zölle der EU gegen China sprach er sich ausdrücklich aus. „Es mag Gründe für wenige, gezielte Zölle geben“, sagte er, warnte jedoch: „Man muss jedoch äußerst vorsichtig sein, nicht etwa mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zu schützen, denn das rächt sich“. Die europäischen Handelsprobleme mit China seien nicht ausschließlich auf unfaire Praktiken zurückzuführen. „Die Wahrheit ist vielmehr, dass wir es in China mit sehr leistungsfähigen Wettbewerbern zu tun haben – mit starken Ingenieuren und engagierten Teams, die innovative Produkte entwickeln und neue Technologien, einschließlich KI, rasch adaptieren“. Diese neue Wettbewerbslandschaft müsse Europa anerkennen und entsprechend reagieren, statt sich hinter Protektionsmaßnahmen zu verschanzen.

KI-Boom: „Größte Wette der Geschichte“ – aber keine Blase

Trotz aller Warnungen zeigt sich Busch überzeugt von den Chancen der Künstlichen Intelligenz. Siemens profitiert bereits jetzt von einer hohen Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren, insbesondere in den USA. Die Gefahr einer spekulativen Blase sieht der Konzernchef nicht. „Was wir derzeit erleben, ist die größte Wette der Geschichte auf Technologie“, sagte Busch in dem Interview. Es handle sich jedoch nicht um eine Blase, die auf geliehenem Geld basiere – ein Großteil der Mittel stamme vielmehr von Unternehmen mit erheblichen Cashflows. Busch ist sich sicher, dass sich die Investitionen in KI lohnen werden: „Die ersten positiven Effekte sehen wir bereits“. KI werde die Märkte positiv verändern, Effizienz und Effektivität steigern, Ressourcen schonen und Innovationen beschleunigen.

Ein Weckruf für Europa

Buschs Äußerungen sind ein deutlicher Weckruf an die politischen Entscheidungsträger in Brüssel. Der Siemens-Chef fordert nicht weniger als ein Umdenken in der europäischen Regulierungspolitik – weg von kleinteiligen Vorschriften, hin zu einem innovationsfreundlichen Rahmen, der Europas Technologieunternehmen im globalen Wettbewerb nicht länger behindert. Ob die EU-Kommission diese Warnung ernst nimmt, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Die Zeit drängt – und Europa kann es sich nicht leisten, im KI-Rennen weiter hinterherzuhinken.

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